Warum sie sich nicht kriegen

TWI TWI Twist in La La Land

Achtung: Spoiler! Wer den Film La La Land mit Ryan Gosling (als Sebastian) und Emma Stone (als Mia) in den Hauptrollen noch nicht gesehen hat, ihn aber unbedingt noch sehen will, der sollte vor dem Lesen dieses Textes noch schnell ins Kino gehen. Denn hier geht es um den Twist – die überraschende Wendung im dritten Akt. Ohje, habe ich schon zu viel verraten?

Eigentlich habe ich bei diesem bombastischen Musical-Film keine unvorhergesehene Wendung erwartet. Schließlich ist La La Land nicht aufgrund seiner ausgefuchsten Story so aufregend und preisgekrönt. Es fängt auch alles ganz typisch an: Er hat einen Traum, sie hat einen Traum. Er hat Probleme, sie hat Probleme. Er spielt Weihnachtslieder in einer Bar, sie kellnert in den Warner-Bros.-Filmstudios. Sie treffen sich. Sie treffen sich noch mal und noch mal. Sie küssen und verlieben sich.

Dabei arbeitet Regisseur und Drehbuchautor Damien Chazelle erstaunlich wenig mit Sprache. Er lässt liebe große Bilder, feinfühlige Details, maßgeschneiderte Outfits und mitreißende Jazz-Musik sprechen. Trotzdem entscheidet er sich am Ende für einen dramaturgisch wagemutigen Schritt: Die zwei Liebenden kriegen sich nicht. Der ganze Film handelt von ihrer Annäherung und der gemeinsamen Verwirklichung ihrer Träume – und am Ende soll das alles umsonst gewesen sein? Eigentlich sind sie füreinander bestimmt und das wissen sie auch. Doch sie lassen sich vom Erfolg verführen und stellen ihre Karriere über ihre Liebe zueinander.

Die Entscheidung: Komödie oder Tragödie

Nach dem klassischen Erzählmuster führt diese Wendung unweigerlich zur Tragödie. Die ursprünglich aufgeworfene Herausforderung – die Liebe zwischen zwei suchenden und mittellosen Künstlern – endet in einer Katastrophe: der Trennung. Solch ein Unhappy-End kann den Zuschauern ganz schnell die Laune verderben, vor allem in einem knallbunten Hollywood-Musical-Film. Doch Damien Chazelle weiß den Missmut des Publikums zu lindern und greift zu einem kleinen Trick.

Als Mia Jahre später mit ihrem neuen Mann in Seb’s Jazz-Club auftaucht, zieht die Liebesgeschichte in einer schlaglichtartigen Montage noch einmal an den Augen der Zuschauer vorbei. Allerdings in einer abgewandelten Form. Sie küssen sich gleich bei ihrem zweiten Treffen, werden zusammen erfolgreich, bekommen ein Kind und am Ende sitzen sie zusammen in diesem Jazzclub. Kurz keimte in mir die Hoffnung auf, dass Damien Chazelle uns an der Nase herumgeführt hat und uns nun doch das erwünschte Happy End präsentiert. Aber das dargestellte Gedankenspiel ist etwas zu perfekt, zu übertrieben, zu sehr Hollywood. Stattdessen nickt Mia Sebastian noch einmal zu, bevor sie endgültig aus seinem Leben verschwindet.

Was wäre wenn ...

Dieser kurze Ausflug in eine alternative Handlung der gleichen Geschichte macht das Ende eigentlich nur noch schwerer. Mia und Sebastian waren so kurz vor einem Happy End. Selbst in Seb‘s Jazzclub hätte Mia sich noch für ihn entscheiden können. Doch es war schon zu spät. Umso schmerzlicher für die beiden Hauptfiguren. Aber mir als Kinogänger hat diese Montage Trost gespendet und mich doch etwas mit dem Ende versöhnt. Vielleicht macht genau dieser Ausgang den Film so interessant und zeitgemäß. Und es ist definitiv ein mutiger Schritt. Chapeau, Damien Chazelle.


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