Ihr Kinderlein kommet

Das Story-Rezept für Weihnachtsvideos

Zutaten

Man nehme:

knapp zwei Minuten Video

Weihnachts-Setting

Eltern im Stress

traurige Kinder

eine melancholische Ballade

und fertig ist der Weihnachtsclip!

Zubereitung

Als Erstes vermengt man die Eltern mit einer großen Schüssel Weihnachtsvorbereitungen und knetet sie ordentlich durch, sodass ihre Schale richtig hart wird. Dann gibt man einen Schuss Kindertränen hinzu, um das Herz der Zuschauer zu erweichen. Ein zartes Stück Musik sorgt für leicht verdauliche Kost.

Dann muss die Geschichte für ein paar Sekunden in den Backofen und entfaltet ihr bitter-süßliches Aroma. Kurz bevor die Eltern zu lange in der Weihnachtshölle schmoren, klingelt ihre innere Uhr der Erkenntnis. Aus dem Ofen nehmen, kurz abschrecken und schon kann sich die Familie ein weihnachtliches Festmahl schmecken lassen. Und die Moral von der Geschicht: Das Wichtigste an Weihnachten ist die Zeit mit der Familie.

Variante Opa

Das gleiche Story-Rezept funktioniert auch mit alten Menschen statt mit Kindern. Dann heißt das Ergebnis #heimkommen statt #zeitschenken. Aber dahinter steckt immer noch EDEKA. Allerdings hat der Opa 54 Millionen Klicks auf YouTube und die Kinder „nur“ 10 Millionen (Stand: Januar 2017).

Weihnachtszeit ist Storyzeit

Zu Weihnachten drücken viele Marken mit Storys in emotionalen Online-Videos und TV-Spots auf die Tränendrüse. Und es funktioniert! Aber warum stehen die Menschen gerade zu Weihnachten so auf Geschichten? Antwort: Weil sie darin selbst die Hauptrolle spielen. Weihnachten kennt jeder: besuchen, essen, schmücken, essen, schenken, essen, freuen, essen, essen, essen. Kaum ein anderes Thema beschäftigt so viele Menschen gleichzeitig.

Eine gute Story greift sich exemplarisch eine Familie heraus und erzählt deren Weihnachtsgeschichte. Und schon können sich alle Zuschauer damit identifizieren und fühlen sich von der Marke verstanden. Ganz egal, ob dahinter EDEKA, OTTO oder REWE steht. Nur einigermaßen glaubhaft sollte die Verbindung zwischen Marke und Weihnachtsbotschaft sein, sonst riskiert man eher einen Shitstorm. Storys verbringen eben auch kein Weihnachtswunder.

Ein Weihnachtsmärchen

Das weihnachtliche Rennen im deutschsprachigen YouTube-Raum hat 2016 allerdings „Der magische Adventskalender“ von der Telekom gemacht (12 Millionen Klicks, Stand: Januar 2017). Das Video erzählt die Geschichte von Jonas, der seiner Schwester ein Stück Kuchen wegisst und nun 24 kleine Aufgaben lösen muss, bevor er ihr zur Versöhnung ein Stück Schokolade schenken kann. 

Was auf den ersten Blick nach einer emotional aufgebauschten Story für eine Schokoladen-Marke aussieht, ist auf den zweiten Blick doch erstaunlich nah an Telekom dran. Denn die Marke verbindet Menschen. Und der magische Adventskalender auch. Der Kalender bringt den Jungen mit den anderen Dorfbewohnern zusammen und sorgt am Ende für die Versöhnung. Somit verbindet das Video eine emotionale Story mit einer zur Telekom passenden Botschaft. Und dafür nehmen sich die Zuschauer immerhin 2:21 Minuten Zeit – eine fast schon skandalöse Länge für einen Weihnachtsclip!


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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Montag, 09 Januar 2017 14:45)

    Sehr schöner Überblick und für die Zeit zwischen dem letzten Weihnachtsfest und dem nächsten Adventskalender gibt es ja zum Glück noch Geschichten wie das rosa-glitzer Einhorn: Mit einer zauberhaften Story kosten 100 Gramm Schokolade dann auch schon 65 Euro (Ebay).
    https://shop.ritter-sport.de/b2c/schokolade/social-media-limited-edition/einhorn.html